KUNST

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Die zweite Gruppenausstellung der Reihe UND WORAN GLAUBST DU? im Elektrohaus hat sich mit den Grenzen zwischen Kunst und Alltag sowie unserem Glauben an die Kunst auseinandergesetzt. Alltägliche Materialien, Objekte und Situationen werden heute selbstverständlich in die Künste einbezogen und die Grenzen zwischen Kunst und Alltag ständig neu verhandelt. Wie werden Alltagsgegenstände zu Kunst? Ist alles nur eine Frage des Kontextes, der Zuschreibung, der Wahrnehmung? Kann Alltag auch Kunst sein? Und ist Kunst eine Glaubensfrage? Gut 100 Jahre nach dem Fahrrad-Rad von Marcel Duchamp wurden in der Ausstellung KUNST Spielarten des Readymade versammelt – Alltagsobjekte, -materialien und -situationen, mal mehr und mal weniger transformiert.

Vladimir Mitrev fängt in seinem Video The Lovely Colour eine zufällig entdeckte Szene in Ost-London ein. Von der Straße aus beobachtet er durch ein Schaufenster, wie eine Frau statt mit Schere und Kamm mit Nadel und Faden frisiert wird und ihr Aussehen komplett verändert. Eugen Becker filmt ist eine wesentlich intimere Szene – ein sehr persönliches Portrait einer jungen Frau. Diese Szene wirkt nicht alltäglich, obschon sie aus dem Alltag stammen könnte – erscheint das Verhältnis zwischen den Personen vor und hinter der Kamera doch extrem vertraut. Die künstlerischen Eingriffe in Bild und Ton sind deutlicher. Seine Arbeiten auf dem Boden bestehen aus einfachen Materialien wie Eisenpulver, Magneten und Wasser. Obschon bekannt, sind sie an dieser Stelle irritierend. Der Boden rostet eigentlich nicht und die kleinen, dunklen Objekte wirken ungewöhnlich organisch. In der Arbeit Schmutzige Wäsche von Jana Müller wird der ursprüngliche Readymade-Gedanke noch eins weiter getrieben. Die Wäschecontainer kommen nicht nur direkt von einem Wäscheservice, sie werden lediglich für die Dauer der Ausstellung geliehen. Alltagsobjekte werden zu Kunst und wieder zu Alltagsobjekten. Kann Kunst auch nur ein temporärer Zustand sein? Sharman Riegger arbeitet mit gefundenen Objekten. Sunset #1-13 besteht aus 13 Postkarten, die er im Urlaub entdeckt hat. Die Farben der Prints sind alle unterschiedlich stark vom Sonnenlicht verändert, was durch die Reihung hervorgehoben wird. Mirror green/white/blue entstammt einer Serie, bei welcher der künstlerische Eingriff minimal ist. Blinde Flecken und kleine Bruchstellen – die Stellen, die Massenprodukte zu Unikaten werden lassen – werden farbig betont. Die in der Ausstellung versammelten Werken sind sehr unterschiedlich. Ihnen gemeinsam ist das Potenzial, unseren Blick zu schärfen – nicht nur im Ausstellungskontext, sondern bestenfalls auch im Alltag.

Die Ausstellung wurde kuratiert von Isabelle Meiffert.