HELDEN VORBILDER IDOLE

HELDEN VORBILDER IDOLE

HELDEN VORBILDER IDOLE

 

Die erste Ausstellung der Reihe UND WORAN GLAUBST DU? hat sich mit Held_innen und Anti-Held_innen auseinandergesetzt, mit internationalen Popstars, ihren Anhänger_innen und Menschen, die ihren Starkult ermöglichen und fördern. Das Phänomen des Suchens und Strebens nach gesellschaftlichen Vorbildern wurde auf unterschiedlichen Ebenen untersucht und kritisch befragt.

Simon Menners Serie 30 Jesuses zeigt 29 Männer und eine Frau, die entweder von sich selbst behaupten, eine Reinkarnation von Jesus zu sein oder deren Jünger dies glauben. Die Reihung der 30 Portraits führt ihre Idee ad absurdum. Durch die Präsentation der vorgefundenen Fotografien vor goldenem Hintergrund erschei­nen sie wie frühe Ikonenmalereien. Die Schattenseiten unserer Heldenverehrung führt. Manu Washaus in der Arbeit Time Square vor Augen: Er fotografiert Menschen hinter den amerikanischen Helden, diejenigen, die unseren internationalen Starkult ermöglichen und aufrechterhalten. So führt er die Diskrepanz zwischen dem, was sie sind und dem, was sie repräsentieren, vor Augen. Ein weiteres Werk des jungen Künstlers, die minimalistische Soundarbeit I am the one, ist eine Erinnerung an einen Popsong und streift das Dasein von Idolfiguren auf mehreren Ebenen. Der Song stammt von einem der größten Popstars und handelt von Idolen. Gleichzeitig macht die Soundarbeit, deren Referenz trotz ihrer Abstraktion erkennbar bleibt, deutlich, wie stark unsere gemeinsame popkulturelle Prägung ist. Den konstruierten und medial vermittelten Heldenbildern setzt. Thorsten Passfeld eine Frau bei einer Alltags­handlung entgegen. Mit gebückter Körperhaltung und ohne auf ihre Umgebung zu achten, prüft sie ihren Laubrechen. Dabei wird sie nicht wie eine klassische Heldin dargestellt – ohne Antiheldin zu sein. Das für diese Ausstellung geschaffene Holzrelief trägt den programmatischen Titel Normaler Mensch. Egle Otto untersucht unsere Heldenproduktion und ‑konstruktion auf übergeordneter Ebene und hinterfragt die Einflüsse von Gesellschaft, Medien und Mentor_innen. Wie begründet sich eigentlich der Heldenstatus des Cowboys in den 1990er Jahren? Was steckt hinter dem Mythos dieses männlichen Sexsymbols, das von der Malboro-Werbung mit geprägt wurde? Das dreiteilige Werk Götze zeigt jeweils unterschiedlich große Aus­schnitte des Protagonisten, der mal als lebendig grüßender Cowboy erscheint, mal als erstarrtes und der Um­welt ausgeliefertes Reiterstandbild. Die Malereien reflektieren somit auch die manupulierbare Wirkung von Bildern. Das Werk Botticelli, Giotto, Grünewald, da Vinci, Dürer, Mantegna, Rossetti, Ensor, Parmigianino, Lippi, Raffael, van der Weyden, Ingres, Ernst ist eine Hommage der Künstlerin an ihre eigenen künstlerischen Vor­bilder. Diesen nur männlichen Malern wird in der Arbeit I thank all of you eine Aufstellung von Protagonistinnen gegenübergestellt. Eine Beschäftigung mit Vorbildern und Held_innen erscheint heute kaum möglich ohne Gender-Fragen einzubeziehen. Julie Gufler vereint Text, Bild, Skulptur und den performativen Akt in ihren ‚lebendigen Skulpturen’, wie sie einige ihrer Arbeiten nennt. In Skirting the Edges of the Familiar setzt sie sich mit ihrer eigenen und den Biografien der in der Ausstellung beteiligten Künstler_innen auseinander. Dadurch entsteht eine weitere Reflexionsebene, die auf andere Weise auch in Egle Ottos Werken thematisch wird – über die aktuelle Rolle und den Status von Künstler_innen in unserer Gesellschaft.

Die Ausstellung wurde kuratiert von Isabelle Meiffert.