EIN NATURALISTISCHES WELTBILD

EIN NATURALISTISCHES WELTBILD

EIN NATURALISTISCHES WELTBILD

 

Die dritte Gruppenausstellung der Reihe UND WORAN GLAUBST DU? fand im Kunstverein nachtspeicher23 in Hamburg St. Georg statt und setzte sich mit unserem Glauben an die Naturwissenschaften auseinander. Wir glauben an die Naturwissenschaften, an ihre Strategien und ihre Forschungsergebnisse. Wir glauben an Zahlen, Statistiken, an die Existenz von Fakten und daran, dass sie unsere Wirklichkeit repräsentieren. Der Welt wird ein Raster auferlegt, sie wird in 0 und 1, in Schwarz und Weiß eingeteilt. Doch wie hinterfragen wir diese Klassifikationen? Wo liegen ihre Grenzen? Zu der Ausstellung EIN NATURALISTISCHES WELTBILD wurden Künstler_innen aus Hamburg und Berlin eingeladen, die sich dem Thema auf unterschiedliche Weise nähern.

Nick Koppenhagen bedient sich in seinem Video The Bowerbird (Laubenvogel) Strategien des Dokumentarfilms. Doch die Verwendung von Bildern und Text, die teilweise unmöglich der Realität entsprechen können, löst Irritationen im Betrachter aus. Was ist wirklichkeitsgetreu, was Fiktion? Die Arbeit reflektiert darüber hinaus Strategien, die uns Ereignisse besonders glaubwürdig erscheinen lassen. Wann werden sie genutzt? Und von wem? Von dem jungen, an der HFBK studierenden Künstler wird auch noch eine zweite Arbeit, Witterungsreport, gezeigt. Diese im Prozess befindliche Zeichnung ähnelt einem Tagebuch: Ein Kreisdiagramm, akribisch in 365 gleich große Flächen unterteilt, wird Tag für Tag gefüllt – mit persönlichen Beobachtungen zum Wetter, zur Natur und zur Umgebung. Der streng wissenschaftliche Rahmen wird durch die Umsetzung mit freier künstlerischer Methodik kontrastiert und befragt. Der wissenschaftliche Blick spielt auch in den Arbeiten der HFBK-Absolventin Ulrike Paul eine Rolle. In der zeichnerischen Serie Die Eichelhäher meiner Mutter sind vier dekontextualisierte, auf dem Kopf hängende Eichelhäher zu sehen. Ihre leicht deformierten Körper und die Watte in ihren Augenhöhlen lassen darauf schließen, dass sie zu reinen Forschungszwecken ausgestopft wurden. Der Drang des Menschen, die Welt zu klassifizieren, um sie für sich erklärbar zu machen, wird thematisch. Achim Riethmann setzt sich mit Forschung an sich auseinander. In seinen feinen Aquarellen untersucht er die Untersuchenden. Dabei bleibt dem Betrachter verborgen, worauf sich ihre Arbeit richtet. Die Forscher werden mit fragmentierten Natur- und Technikdarstellungen kombiniert, wodurch unterschiedliche Assoziationen und Fragestellungen ausgelöst werden: Wohin führt uns die naturwissenschaftliche Forschung? Wohin die zunehmende Technisierung der Welt und wohin der Fortschrittsglaube?

Die Ausstellung wurde von Isabelle Meiffert kuratiert.