Egle Otto – this is not what Adorno was trying to say

EGLE OTTO

EGLE OTTO

 

Die Einzelausstellung this is not what Adorno was trying to say mit neuen Malereien der Künstlerin Egle Otto in der Galerie Mathias Güntner, Hamburg zelebriert einen progressiven wie lustvollen Blick auf Körperlichkeit und Sexualität, der ihre Betrachter_innen herausfordert, eigene Kategorien zu überdenken.

Fernab gängiger Sehgewohnheiten erforscht Egle Otto in ihrer seit 2016 entstehenden Serie von Körperbildern eigensinnig, profund und mit einer Prise Humor die Möglichkeiten zeitgenössischer Malerei anhand von Körperdarstellungen. Vieles wird angedeutet, und bleibt durch die fließenden Formen und die ineinander übergehenden Körperteile, die keinem Körper und keinem Geschlecht eindeutig zugeordnet werden können, doch vage. Kaum scheint sich eine Partie aus der Abstraktion zu lösen und eine greifbare Form anzunehmen, entzieht sie sich sogleich. Die vieldeutigen Formen sind auf der Leinwand fixiert und bleiben doch fluid und unklassifizierbar. Wie beiläufig werden so Heteronormativität und konservative, noch immer gelebte Rollenmodelle überwunden. Die Bilder bringen tradierte Kategorien ins Wanken, befragen Vor-Urteile und können Betrachter_innen durchaus irritieren. Mit ihren progressiven Vorschlägen fordern sie selbstbewusst dazu auf, aktiv über vorherrschende Referenzen, Normen und Möglichkeiten nachzudenken.

Egle Otto untersucht, erforscht und befragt den Kosmos der Malerei. Dazu gehört auch das kunsthistorische Referenzsystem mit den dominierenden Autoren des 20. Jahrhunderts, auf die Künstler_innen noch heute zahlreich verweisen – wie Sigmund Freud, Walter Benjamin und Theodor Adorno. Aus dieser Auseinandersetzung gehen bis heute malerische Textarbeiten hervor. Die Titel gebende Malerei this is not what Adorno was trying to say spielt auf die viel diskutierte und später selbst relativierte Aussage Adornos an, nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, sei barbarisch. Im Kontext der Malereien von Egle Otto drängen sich verschiedene Fragen auf, bspw. wie große Denker lesbar und wie ultimativ bzw. wie relativierbar ihre Aussagen sind, und welche ästhetischen, körperlichen und geistigen Erfahrungen sich Worten entziehen.

Die Serie von Körperbildern und weitere neue Arbeiten waren im Januar 2018 erstmals in der Galerie Mathias Güntner zu sehen. Die Ausstellung wurde von Isabelle Meiffert kuratiert, die eine langjährige und intensive Zusammenarbeit mit Egle Otto verbindet.

Zur Ausstellung ist eine von Detlev Pusch gestaltete Publikation mit Texten von Isabelle Meiffert und Raimar Stange erschienen.